Coburgs Köpfe

Anwesen und Anwohner, Häuser und Bewohner prägen das Gesicht einer Stadt. Das Wort Fassade hat seinen Ursprung im lateinischen Wort für Gesicht. Jedes Haus hat sein Gesicht, manche haben zusätzlich über Türen, Fensten, an Giebeln oder Erkern kleine Gesichter, sogenannte Gaffköpfe oder Neidköpfe.

In Coburg gibt es davon auffällig viele. Damit sind nicht nur die großen Ansammlungen auf der Veste (über 70 Gesichter und Fratzen allein im Intarsienzimmer), im Schloßhof und an den Arkaden gemeint. Auch die Innenstadt ist voller steinerner Gesichter. Andere Städte vergleichbarer Größe haben da wenig (Bamberg, Bayreuth, Naumburg, Erfurt, Rudolstadt) bis fast nichts (Erlangen, Kulmbach, Schweinfurt) zu bieten. Dabei will Stadtarchitektur –egal ob Residenz, Bürgerstadt oder Kirchenzentrum- immer das Gleiche: Gesicht zeigen.

Was hat es also auf sich mit diesen in Coburg so gehäuft auftretenden Gesichtern? Da gibt es die eher lustigen, auch karikaturhaften menschlichen Gesichter: Gaffköpfe, die den Betrachter neugierig anschauen und sich offensichtlich für das Stadtgeschehen interessieren. Aber es gibt auch die abschreckenden, wild schauenden Neid- oder Schreckköpfe. Die bösen, fremden Geister draußen sollten den Menschen drinnen im Haus „nichts neiden“, sie in Ruhe lassen. Mit den fratzenhaften, dämonischen Gesichtern wollte man wohl feindliche Kräfte vertreiben, also Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Und dann gibt es noch die weniger ausdrucksvollen Köpfe, die wohl nur Schmuck waren oder deren Botschaft verlorengegangen ist.

Damit wird aber nicht klar, ob die Coburger besonders viele Feinde hatten, besonders neugierig waren oder etwa einen besonderen Sinn für Bauschmuck hatten und haben. Spaß hat man mit den Gesichtern allemal!