Reisen

 

Neulich habe ich eine Reise gemacht.

Als Reisetipp ist der folgende Bericht nur bedingt geeignet, andrerseits können einzelne Teile davon zu verschiedenen Jahreszeit recht schön sein. Die Reise selbst war eher ein Selbstversuch: eine Wanderung von Coburg nach Lauscha, 52 km, etwas über 1000 Hm, 10 Stunden Gehzeit, dazu einige Pausen. Es war daran gedacht, einen Fernwanderweg zu erfinden. Diese sind gerade in Mode. Und die Region Coburg-Rennsteig will als Urlaubsregion zusammenwachsen, zumindest den werbenden Worten der Macher zufolge.
Eine echte Reise enthält:

Abwechslung, wenn ebene, asphaltierte Passagen wechseln mit landschaftlichen Höhepunkten wie Bergwiesen mit Orchideen.

Überraschungen, wie kurze Plaudereien mit Fremden und Bekannten, wenn die Gegend nicht ganz fremd ist.

Ungewissheit, wenn nach halber Strecke die Entscheidung ansteht, das Ziel Lauscha (in Wahrheit den Gasthof Gollo daselbst) zu erreichen oder doch lieber mit einem Bier aus dem Supermarkt (der in Mengersgereuth-Hämmern noch Kaufhalle genannt wird), in die Südthüringen-Bahn zu steigen.

Erkenntnis, dass eine Bergtour gleicher Höhe und Dauer auf abwechslungsreicherem Untergrund weniger strapaziös ist. Die Schmerzen ließen jedoch am Folgetag bereits deutlich nach.

Irrtum, wenn klar wird, dass aus diesem Weg wegen der ereignislosen Längen und sparsamer Einkehrmöglichkeiten wohl kein berühmter Fernwanderweg wird.

Erfahrung, die man sammelt im Umgang mit den Gefahren eines Reiseabenteuers, wenn man mit Abenteuer nicht die gebuchte Begegnung mit einem Elefanten oder die Besteigung eines Achttausenders am Geländer meint. Immerhin bestanden Gefahren wie die Überquerung von Straßen und Bahnübergängen sowie die angesagte Gewitterneigung. Auch warnen Schilder im Wald vor umfallenden Bäumen wegen des sichtbar schlechten Zustandes. Vor Ort ist diese Erfahrung eine andere, als in der Zeitung über den Waldzustand zu lesen.

Enttäuschung, die nicht ausbleibt. Der Gollo war pandemiebedingt geschlossen, was ehrlicherweise zu erwarten war. In Coburg hatte bei etwas niedrigeren Corona-Zahlen Gastronomie bereits wieder stattgefunden, während im Nachbarkreis Sonneberg alles geschlossen blieb. Die angekündigte landesweit einheitliche Lösung eben. In Österreich hatten bei ähnlichen Corona-Zahlen bereits seit 2 Wochen Gasthöfe und Hotels geöffnet. Selbst ein Wandertag ist nicht politikfrei.

Es war eine echte Reise, kein Fertigprodukt aus dem Katalog. Es gab einen Plan, der nur teilweise Realität wurde. Anders sind Erlebnisse nicht zu haben. Eine schöne Reise.